Dir fehlt die Motivation?

Danke an die Teilzeitheldin für die Erstellung des Logos!

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Dieser Artikel erscheint im Zuge des aktuellen Karnevals der Rollenspielblogs, welcher im März das Thema Spielvorbereitung hat. Letzte Woche habe ich über eine der wichtigsten Zutaten für die Spielvorbereitung geschrieben: Zeit. Diese Woche geht es um eine andere wichtige Zutat: Motivation.

Gerade bei groß angelegten Kampagnen stellt sich bei Spielleitern des öfteren eine Art Burnout ein. Man hat das Gefühl, dass die Ideen nicht mehr zünden, das Spiel erscheint einem flach oder man denkt zurück an den Anfang der Kampagne und stellt fest, dass die Spielqualität damals besser war als die aktuelle. Spielvorbereitung verwandelt sich von Spaß in Arbeit, Spieltermine mutieren zu Deadlines. Eine Kampagne kann durch Spielleiterburnout auf sehr unbefriedigende Weise beendet werden und bei jeder längeren Handlung besteht die Gefahr, dass der Spielleiter in dieses kreative Loch fällt.

Burnout oder doch nur Schreibblockade?

Wenn du diesen Punkt erreichst, ist es Zeit kurz inne zu halten und diesen Burnout genauer unter die Lupe zu nehmen. Beruht der Burnout darauf, dass die Ideen fehlen (Schreibblockade) oder liegt es an einer Übersättigung und du sehnst dich nach etwas Neuem? Natürlich ist auch eine Mischung möglich.

Stehst du vor einer Schreibblockade dann sind es natürlich Ideen die dir weiterhelfen. Gute Ideen können aber auch bei einer Übersättigung helfen, da sie etwas Neues ins Spiel bringen. Bei einer Übersättigung hilft ein Wechsel im “Alltag“ der Spielvorbereitung, oft erhält man durch diese neue Perspektive auch einen Haufen Ideen, welche wiederum bei der Schreibblockade helfen. Es sind also nicht nur die beiden Probleme Übersättigung und Schreibblockade miteinander verwandt, sondern auch deren Lösungsansätze. Dennoch ist es, wenn dich der Burnout plagt, gut zu wissen, wo genau der Schuh drückt, damit du gezielte Maßnahmen treffen kannst.

Auf drei Dinge möchte ich eingehen, welche dir helfen können deine Kreativität wieder zum Laufen zu bringen. Diese drei Ansätze haben gemeinsam, dass das Spiel mit dir als Spielleiter im gleichen Rhythmus weiterläuft wie zuvor. Es gibt noch weitere Möglichkeiten, welche beinhalten, dass jemand anderes die Spielleiterrolle übernimmt oder, dass die Runde eine Zeit lang aussetzt. Diese lasse ich in diesem Beitrag jedoch aus. Hier also die drei Maßnahmen, welche du gegen den Burnout einsetzen kannst:

  • Öfters mal was Neues: Es gibt immer ein paar Elemente, die du ändern kannst, um deiner Spielvorbereitung etwas Neues zu verleihen. Manchmal sind es Dinge, welche man bisher außer Acht gelassen hat, manchmal führt einfach nur ein Wechsel der Perspektive dazu, dass man an etwas Neuem arbeitet. An neuen Dingen zu werkeln, lässt die Motivation wieder hochschnellen.
  • Motiviere dich: Mit ein paar mentalen Tricks kannst du dich selbst pushen und neu motivieren.
  • Sei fit: Wenn die Motivation fehlt, kann es auch einfach daran liegen, dass du körperlich angeschlagen bist.

Öfters mal was Neues

Wenn die Inspiration ausbleibt, dann hilft es Aspekte des Rollenspiels in den Fokus zu nehmen, welche lange Zeit nicht verändert oder noch gar nicht beleuchtet wurden. Fanden bisher zum Beispiel alle Abenteuer an einem bestimmten Ort statt, dann wäre ein Wechsel des Ortes eine Maßnahme, welcher sicherlich für frischen Wind sorgt. Probiere einmal folgende Dinge zu variieren:

  • Schauplätze: Wenn deine Spieler bisher immer in einem Königreich geblieben sind, wird es vielleicht Zeit sich auf’s Pferd zu setzen und den Nachbarn zu besuchen. Haben deine Investigatoren sich bisher nur in Arkham aufgehalten, schicke sie nach Bulgarien. Nicht jeder Shadowrun muss in Seattle stattfinden.
  • Terrain: Ähnlich zum Schauplatz, kannst du auch das Terrain wechseln. Wenn die Charaktere bisher durch eine bewaldete und hügelige Landschaft gezogen sind, wird es vielleicht Zeit, dass sie sich in eine Wüste begeben oder über die Meere fahren oder ins Weltall reisen.
  • Nichtspielercharaktere: Entwickele ein paar neue wichtige Nichtspielercharaktere und bringe diese ins Spiel ein. Ein neuer Bösewicht vielleicht oder eine konkurrierende Abenteuergruppe? Auch alte und fast vergessene NSCe können neu auftauchen und haben sich vielleicht drastisch verändert. Der ehemals unerfahrene Soldat, könnte inzwischen schon ein vom Kriegs gezeichneter Mann sein.

Es gibt noch weitere Aspekte, welche neues Leben in die Kampagne bringen können. Denke auch an neue Abenteueraufhänger (immer Mr. Johnson?), Beziehungen zwischen NSCen und SCen, Ausrüstungsgegenstände, Belohnungen und Monster.

Ein Wechsel der Perspektive kann dir auch einen neuen Blick auf deine Kampagne oder deine Spielvorbereitung liefern. Wenn deine bisherigen Vorbereitungen sich immer auf Personen gestützt haben (du erstellst eine Reihe von NSC, welche miteinander interagieren und die Spieler sind mittendrin), dann versuche dich doch einmal an einer schauplatzbasierenden oder ereignisbasierenden Vorbereitung. Drehe an der Stellschraube, wie viel Improvisation und wie viel Vorbereitung du verwendest. Es gibt unzählige Arten Spielabende vorzubereiten, sei also experimentierfreudig und probiere Dinge aus! Dadurch bleibt die Vorbereitung selbst nicht nur interessant, sondern auch die Ergebnisse können positiv überraschen.

Es gibt auch noch drastischere Wege dem Spiel einen neuen Anstrich zu verpassen. Ob du einen solchen gehen möchtest hängt stark von deiner Gruppe, den Zielen der Kampagne und deinem eigenen Geschmack ab:

  • Lasse einen größeren Zeitraum verstreichen: Stelle dir im Spiel die Frage: “Wie passiert, wenn ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr verstreicht?“. Einen solchen großen Schnitt im Zeitfluss zu machen, ist vergleichbar mit dem beenden eines Bandes in einer mehrbändigen Buchreihe. In einem solchen Zeitraum kann sich viel verändern und du hast die Möglichkeit langfristige Entwicklungen in das Spiel unterzubringen. Du hast durch diesen Zeitsprung die Möglichkeit völlig neue Dinge in die Kampagne einfließen zu lassen.
  • Spiele einen Nebenplot: Wechsel mit deinen Spielern komplett die Perspektive. Sie schlüpfen in die Rollen anderer Bewohner der gleichen Kampagne, welche ihren ganz eigenen Aufgaben nachgehen müssen. Ein solcher Nebenplot, welcher mit der eigentlichen Kampagne verwoben ist, eröffnet dir wieder völlig neue Möglichkeiten, ohne, dass du die Kampagne ad acta legst. Denke daran, dass ein Nebenplot nicht nur räumlich von der Welt der Hauptcharaktere getrennt sein kann, sondern auch zeitlich! Wie war das denn nun genau, vor 350 Jahren bei der berühmten Schlacht von Glorius? Spiele sie mit den anderen durch!
  • Wechsel das Genre: Ihr spielt seit drei Jahren Horror-Rollenspiel und dir fällt so langsam nichts mehr ein, um deine Spieler zu schocken? Dann wechsle das Genre! Du könntest die Runde zum Beispiel mit ein paar pulpigen Szenarien auflockern. Wenn du die Genre der Kampagne nicht trüben willst, kannst du den Genrewechsel auch mit einem Nebenplot kombinieren: Die sehr heldenhafte, ehrenvolle und ernst gespielte Fantasy-Abenteuer-Gruppe verliert nach einem Jahr vielleicht ein bisschen ihren Reiz? Ein Nebenplot, in dem die Spieler eine Gruppe NSC spielen, welche versuchen eine coole Kneipe zu eröffnen und mit komödiantischen Problemen zu kämpfen haben könnte nicht nur Abhilfe schaffen, sondern sorgt auch für einen interessanten Schauplatz in der Hauptkampagne.

Motiviere dich

Ich habe festgestellt, dass ich mich selbst ganz gut motivieren kann. Es gibt Dinge, welche bei mir recht zuverlässig Motivation auslösen. Dazu gehört zum Beispiel das anschauen der “The Gamers“-Filme oder ich höre mir Aufzeichnungen von Rollenspielrunden an. Aber auch gute Kinofilme oder bestimmte Soundtracks motivieren mich. Selten ist es eine konkrete Inspiration, sondern mehr dieses “Ich will auch“-Gefühl, welches mich da motiviert mich hinzusetzen und ein paar Stunden Spielvorbereitung rauszuhauen. Dinge die dieses Gefühl bei mir auslösen:

  • Filme und Serien
  • Hörbücher, Podcasts bzw. Aufnahmen von Rollenspielrunden
  • Soundtracks
  • Rezensionen und Spielberichte
  • Abklappern von rollenspielbezogenen Webseiten (Vorsicht: Hier verliert man sich ganz gerne mal und surft so lange durch das Netz, bis das besagte Gefühl auch schon wieder weg ist.)

Was bei mir auch hilft, ist mich an die “guten alten Zeiten“ zu erinnern, also den Start einer Kampagne oder einer Spielrunde. An Zeiten also in denen die Motivation noch sehr hoch war. Ich kann mich recht gut in diese Zeit hineinversetzen und dadurch auch wieder diesen motivierten Zustand heraufbeschwören. Das hört sich sehr esoterisch an, funktioniert bei mir aber tatsächlich.

Eine andere Möglichkeit ist an die Zukunft zu denken. Stellt euch vor, wie ihr in 5 Jahren gemeinsam auf eure wunderbaren Spielabende zurückschaut. Auch diese Vorstellung kann bei mir dazu sorgen, dass ich mich hinter den Tisch klemme, um genau diese Zukunft möglich zu machen.

Sei fit

Dieser Tipp mag sich seltsam anhören, aber mir ist aufgefallen, dass mich die Motivation oft dann verliert, wenn ich körperlich nicht hundertprozentig fit bin. Man muss keinen Doktor in Psychologie haben, um einzusehen, dass es schwerer ist sich zu motivieren, wenn man müde ist und einen Kopfweh plagt. Genauso ist es wenig hilfreich, wenn man völlig träge in seinem Stuhl sitzt, da man gerade ein mehrgängiges Menü verschlungen hat. Manchmal ist der körperliche Zustand einfach der Grund für die fehlende Motivation und sowieso gilt, dass der Geist in einem wachen und gesunden Körper leichter zu motivieren ist.

Es ist die eine Sache darum zu wissen und wiederum eine andere, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Wenn man z.B. abends müde ist und einem nichts einfallen möchte, ist es vielleicht einfach besser, sich früh ins Bett zu legen, am nächsten Tag früher aufzustehen und nach einer erfrischenden Dusche weiterzumachen. Halte dich gesund und fit und plane deine Vorbereitungszeit so, dass du für diese ausgeschlafen und aktiv bist. Spielvorbereitung ist eine gesitig anstrengende Tätigkeit. Plane diese also zu Zeiten, zu denen du für eine solche Tätigkeit in der Lage bist (nach zwei Stunden Sport ist also eher eine schlechte Idee). Spielvorbereitung ist so schon mühsam genug, quäle dich daher nicht noch zusätzlich, wenn es sich vermeiden lässt.

Hoffentlich konnte ich dir ein paar Wege zeigen, welche die Motivation wieder noch oben schnellen lassen, ich jedenfalls habe jetzt wieder richtig Laune, ein paar Abenteuer vorzubereiten!

– Michael

Über spielleiten

Autor von spielleiten.wordpress.com
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4 Antworten zu Dir fehlt die Motivation?

  1. Ramona schreibt:

    Guter Artikel :) Beleuchtet das Thema „Vorbereitung“ von einer Seite, mit der bestimmt einige regelmäßig zu tun haben.

  2. Jan schreibt:

    Super Tipps! vor allem die Beleuchtung aus mehreren Blickwinkeln.

    Mir ist aufgefallen, dass bei mir sinkende Motivation auch dadurch bekämpft werden kann, dass ich mir einfach neue Ziele auf der Metaebene stecke: Mehr Atmosphäre schaffen, NSCs besser darstellen, einen neuen Teil eines Charakterhintergrundes anspielen usw. Also auch den Spielstil etwas verschieben, denn immer das gleiche zu spielen wird im Regelfall nicht nur dem SL langweilig werden.

    Bei Motivationshilfen möchte ich noch unbedingt Bücher anführen. Ganz wichtig für mich. Aktuelle ist es Wheel of Time.

    „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.“ Sehr wichtig :) Aber das heißt nicht nur die richtige Zeit zu finden, sondern, finde ich, ganz besonders: Sport! Bei mir hilft Sport auch noch gegen schlechte Laune und vieles andere. Und ich habe nur noch selten Probleme, dass ich vor meiner Spielvorbereitung hocke und nicht in Schwung komme.

  3. spielleiten schreibt:

    Witzigerweise funktionieren Bücher bei mir nicht so gut, bei anderen kann das natürlich auch anders sein.

    Ich bin kein Riesensportler, aber ja: Regelmäßig Sport treiben macht das Leben viel angenehmer. Es ist nur wichtig, dass man sich seine „goldene Stunde“ Vorbereitungszeit nicht direkt hinter zwei Stunden Fußball spielen packt. Denn danach bin zumindest ich einfach zu fertig, um jetzt auch noch kreativ zu werden.

  4. Jan schreibt:

    Hehe, das stimmt. Am Tag danach klappt das oft gut, finde ich. Jedenfalls, wenn man sich richtig ausgepowert hat.

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