Dir fehlt die Zeit zur Vorbereitung?

Dieser Artikel erscheint im Zuge des Karnevals der Rollenspielblogs, welcher im März das Thema Spielvorbereitung hat.

Zeit ist eine knappe Ressource. Was würden wir nicht alles für unsere Spielrunden tun, wenn wir doch nur genug Zeit zur Verfügung hätten! Aber gerade bei der Spielvorbereitung scheint es so zu sein, dass immer etwas dazwischen kommt. Das kann besonders ärgerlich sein, wenn alle Mitspieler an einem Abend verfügbar sind, ein Spiel aber nicht stattfinden kann, da man es bis zum Termin nicht schafft, das Spiel vorzubereiten.

Es gibt viele Dinge, welche unsere Aufmerksamkeit verlangen, Arbeit bzw. Studium und Familie sind die offensichtlichsten, es gibt jedoch noch viele mehr. Die Frage ist also, wie schafft man es selbst in einen vollen Terminkalender, seine Spielvorbereitungen durchzuführen? Ich behaupte mein Terminkalender ist gut gefüllt – nicht voll ausgelastet, aber langweilig wird mir mit Sicherheit nicht. Trotzdem habe mir ich mir eine Strategie zu Recht gelegt, mit der es mir gelingt meine Spiele vorzubereiten, selbst wenn mal viel zu tun ist.

Um es kurz zu fassen, achte ich auf vier Dinge, um genügend Zeit für meine Rollenspielaktivitäten zu haben:

  • Prioritäten setzen
  • Ein fester Zeitrahmen
  • Regelmäßigkeit
  • Fokus

Prioritäten setzen

Spielrunden vorbereiten ist eine anstrengende Geschichte. Das liegt schlicht daran, dass wir dafür kreativ werden müssen. Die grauen Zellen müssen dafür arbeiten (siehe auch: Diesen Beitrag über Ideen). Unbewusst versuchen wir daher diese Arbeit zu meiden und es erfordert einen gewissen Willen, mit der Spielvorbereitung anzufangen.

Unser innerer Schweinehund ist verdammt gut darin, uns mit anderen Aktivitäten abzulenken, welche wir als “auch wichtig“ empfinden. Nehmen wir folgende Situation: Ich habe gerade ein bisschen Zeit zur Rollenspielvorbereitung, als mir auffällt, dass gerade meine Lieblingsserie im Fernsehen läuft (kann mir persönlich nicht passieren, da ich das Fernsehen, als größten Zeitverschwender überhaupt, komplett abgeschafft habe. Als Beispiel soll es aber ausreichen). Was tue ich also? Prinzipiell ist mir meine Spielrunde wichtiger, also wäre die vernünftige Entscheidung einfach das Spiel vorzubereiten. In der konkreten Situation schlägt der Schweinehund jedoch voll zu und die Chancen, dass ich vorm Fernseher sitzen bleibe sind sehr hoch. In diesem Szenario hilft bei mir einfach folgende Frage:

Was macht mich glücklicher, wenn ich zurückblicke? Wenn ich von meiner Lieblingsserie berieselt wurde oder wenn ich eine Stunde lang Rollenspiel vorbereitet habe?

Die Antwort ist klar: Wenn ich mich berieseln lasse, mag das für den Moment ganz nett sein, aber wenn ich stattdessen auf eine solide Stunde Rollenspielvorbereitung zurückblicken kann, dann ist das echte Zufriedenheit. Das Gefühl etwas geleistet zu haben ist wesentlich beglückender, als der kurzfristige Schuss Fernsehen. Ganz abgesehen davon, dass diese Vorbereitungszeit dazu führen kann, dass unsere Rollenspielrunde stattfinden kann und ich dort viele weitere Stunden Glück vorfinden werde.

Ein fester Zeitrahmen

Prioritäten zu setzen hilft uns freie Zeit auf die Dinge zu verwenden, welche uns wirklich glücklich machen – für diesen Beitrag soll dies Spielvorbereitung sein. Als nächstes setzt man sich einen festen Zeitrahmen, welchen man ausschließlich zur Rollenspielvorbereitung verwendet. Gehe deinen Tagesablauf durch und schaue, wo du diesem eine halbe oder ganze Stunde abtrotzen kannst. Vielleicht stehst du morgens etwas früher auf, gehst abends etwas später ins Bett, vielleicht entfernst du das abendliche Fernsehen aus deinem Programm oder kürzt die Mittagspause. Wäge dafür ab, wie wichtig dir die Spielvorbereitung im Vergleich zu anderen Aktivitäten ist. Selbst vollen Tagesabläufen kann man eine halbe Stunde abtrotzen, wenn einem die Spielvorbereitung entsprechend wichtig ist.

Mein Blog und meine Spielvorbereitung sind mir sehr wichtig. Daher habe ich in meinem Tagesablauf eine Stunde für diese beiden Aktivitäten eingebaut. Dafür stehe ich jeden morgen eine Stunde früher auf als notwendig und nutze diese Extrastunde, um Artikel wie diesen zu schreiben oder meine Spiele vorzubereiten.

Der frühe Morgen als Zeitpunkt hat seine Vor- und Nachteile, als großen Vorteil genieße ich, dass zu Anfang des Tages dieser noch keine Zeit hatte mich von meiner goldenen Stunde abzuhalten. Es ist noch nichts passiert, was meine Planung durcheinander werfen könnte. Der große Nachteil ist natürlich, dass man morgens früher aufstehen muss, was viele als unangenehm empfinden. Für mich ist dies glücklicherweise kein großes Problem.

Wo auch immer du diese halbe oder ganze Extrastunde in den Tag einbringst, wichtig ist, dass du diese regelmäßig wahrnehmen kannst. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären.

Regelmäßigkeit

Hier kommt der große Trick:

Nehmen wir an, deine Spielrunde spielt einmal pro Woche und du schaffst es täglich eine halbe Stunde zu reservieren. Das bedeutet zwischen jedem Treffen dreieinhalb Stunden Vorbereitungszeit!

Schaffst du es eine Stunde zu reservieren oder spielt ihr nur alle zwei Wochen, dann sind es sogar sieben Stunden.

Kleine Änderungen verbunden mit Regelmäßigkeit addieren sich schnell zu einer ordentlichen Zeitspanne auf, welche du für deine Spielvorbereitung nutzen kannst.

Die Voraussetzung dazu ist natürlich die Regelmäßigkeit. Es reicht nicht, dass ich weiß, ich könnte jeden morgen eine Stunde früher als nötig aufstehen, sondern ich muss es auch wirklich machen! Am Anfang ist es anstrengend die reservierte Zeit konsequent wahrzunehmen, aber wenn man am Ball bleibt, dann wird es bald schon Routine.

Fokus

Selbst wenn man regelmäßig zu den reservierten Zeiten am Tisch sitzt, bereit seine Spiele vorzubereiten, besteht immer noch die Möglichkeiten, dass man nichts fertig bringt. Wie kann das sein, dass man pro Woche dreieinhalb Stunden zur Verfügung hat und am Ende doch mit nichts dasteht? Richtig. Der innere Schweinehund hat wieder zugeschlagen.

Es gibt unglaublich viele Ablenkungen. Und wir nehmen sie gerne an. Wenn ich beispielsweise an einem Computer meine Runden vorbereite ist die Verlockung groß, noch schnell Emails zu checken, bevor ich dann richtig loslege. Unter den Mails befindet sich ein Link, welcher mein Interesse weckt und irgendwann bemerke ich dann schließlich, dass ich schon eine Viertelstunde im Netz gesurft habe. Habe ich nur eine halbe Stunde reservieren können, habe ich gerade die Hälfte davon – für die ich soviel getan habe, um sie überhaupt erst zu haben – verschwendet!

Wenn du in deiner goldenen (halben) Stunde bist, dann nutze sie! Keine Ablenkungen, keine Mails checken, nicht fünfmal Wasser holen gehen, nicht mit irgendwelchen Spielzeug auf dem Schreibtisch herumspielen. Richte deinen Arbeitsplatz so ein, dass du von Ablenkungen befreit bist, schließe die Tür, setze Kopfhörer auf, mache einfach alles um deinen Fokus zu behalten und Zerstreuungen abzuwehren.

Beobachte dich selbst und stelle fest, was dich von deiner Spielvorbereitung ablenkt. Wenn du weißt, was dich ablenkt, dann kannst du entsprechende Maßnahmen treffen, um diese Ablenkungen auszuschalten.

Zum Fokus gehört auch nicht im Planungsmodus stecken zu bleiben. Planen macht Spaß, man kann sich dabei ausmalen, was man irgendwann einmal erreicht haben wird. Und bis zu einem gewissen Grad ist Planung auch sinnvoll, weil es fokussiertes Arbeiten ermöglicht.

Planung ist aber auch eine besonders fiese Ablenkung. Leicht hat man sich eingeredet, dass man beim Planen ja eigentlich schon an dem arbeitet, was man gerade plant. Das ist eine Lüge. Mit Plänen alleine ist nichts gewonnen, erst deren Umsetzung führt zu Ergebnissen. Daher achte darauf, dass du dich aus der Planungsphase wieder löst und deine Pläne auch wirklich ausführt, selbst, wenn sie noch nicht komplett sein sollten (siehe auch Zwiebel-Abenteuer-Vorbereitung).

Deine Spielvorbereitung sollte immer zielgerichtet sein. Dazu gehört, dass man Dinge vorbereitet, welche wirklich wichtig sind, mit den Werkzeugen, welche du zu benutzen weißt. Kenne daher deine Werkzeuge und habe immer den nächsten Schritt im Blick.

Über spielleiten

Autor von spielleiten.wordpress.com
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4 Antworten zu Dir fehlt die Zeit zur Vorbereitung?

  1. Christoph schreibt:

    Wirklich guter Artikel!

  2. tanjathome schreibt:

    Find ich prima, hab ich zwischenzeitlich schon mehrfach gelesen und finde den Artikel sinnvoll, hilfreich und motivierend zugleich. Den verlink ich demnächst mal und weiß auch schon, in welchem Zusammenhang … *motiviert von dannen gehend*

  3. spielleiten schreibt:

    danke schön. Ich bin gespannt in welchem Zusammenhang dies auftauchen wird.

  4. Pingback: Charaktertagebücher: Fluch & Segen « Clawdeen spielt

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