Die Handlung durch Spannung stärken

Dieser Artikel ist ursprünglich von Darcy Pattison – einem Schriftsteller. In diesem kurzen Tipp geht es darum, was Spannung ist und wie diese erzeugt wird. Danach gibt Darcy ein paar Tipps, wie man die Spannung steigert. Johnn Four erläutert in einem kurzen Vorwort, dass diese Tipps auch für Spielleiter interessant sein können.

Autor: Darcy Pattison (und Johnn Four im Vorwort)

Übersetzung: Michael Beck

Originalartikel: Creating Suspense to Strengthen the Narrative Arc

Vorwort von Johnn

Darcy Pattison betreut Autoren fiktionaler Texte. Das sind wir, oder? Spielleiter schreiben Hintergründe, Geschichte, Abenteuerideen, NSCe und mehr. Obwohl wir nicht allen Konventionen der Romane folgen –  Gerüchte besagen, dass die Spieler in unseren Runden auch etwas zu sagen haben ;) –  funktionieren viele Tipps und Techniken für Romanschreiber auch für Spielleiter.

Die Handlung durch Spannung stärken

Gute Geschichten ergreifen deine Aufmerksamkeit und halten sie bis zum letzten Wort fest. Es ist jedoch schwierig die Aufmerksamkeit des Lesers einzufangen, dafür benötigt man Spannung. Spannung ist die Ungewissheit was als nächstes passieren könnte. Was passiert also als Nächstes? Natürlich etwas Unerwartetes. Bevor wir uns dies genauer anschauen, zunächst die Grundlagen:

Eine Geschichte dreht sich immer um einen Konflikt. Wenn nicht irgendwas Unangenehmes passiert, gibt es auch keine Geschichte. Spannung wiederum ist die Sorge des Lesers, was in diesem Konflikt passieren wird.

Wann sorgt sich der Leser?

Rufe starke Emotionen hervor. Stelle sicher, dass der Konflikt mit starken Gefühlen verbunden ist. Dies bedeutet normalerweise, dass der Konflikt in irgendeiner wichtigen Weise wirkungsvoll ist. Durch ein Dickicht mit Dornen zu laufen ist langweilig, verglichen mit einer Situation, in der es ums Überleben geht. Drücke den Regler auf der Risiko-Skala daher in Richtung „Leben oder Tod“, um die Spannung zu erhöhen.

Die Charaktere müssen dem Leser wichtig werden

Wir sorgen uns mehr um die Charaktere, wenn sie uns wichtig geworden sind. Gute Charakterisierungen geben uns die Gelegenheit dafür, dass uns die Charaktere und damit auch ihr Erfolg über den Konflikt etwas bedeuten. Wenn wir wissen, dass eine Frau misshandelt wurde, dies jedoch überwand und zwei liebenswerte Kinder großzog, sorgen wir uns mehr  über ihr Treffen mit einem potentiellen Alkoholiker.
Details

Um gut zu charakterisieren, also den Lesern eine Person zu geben, welche den Lesern wichtig wird, musst du Details liefern. Denke darüber nach, wie eine Szene aussieht, wie sie sich anhört, wie sie riecht, schmeckt und sich anfühlt. Benutze einzelne Sinneswahrnehmungen, um dem Leser die Handlung der Geschichte Stück für Stück zu beschreiben.

Spüre die Konsequenzen

Du hast also dem Leser eine Situation mit starken Details und hoher Bindung zum Charakter präsentiert, welche zudem einen wichtigen Konflikt enthält. Rufe nun noch stärkere Emotionen hervor, indem du die Konsequenzen eines Fehlschlags präsentierst. Dies ist die „na und?“-Frage. Falls X fehlschlägt Y zu tun – na und? Wen interessiert‘s? Du musst die Konsequenzen klar machen oder dem Leser genug Hinweise geben, sodass dieser die Konsequenzen erraten kann.

Wie kann die Sorge des Lesers gesteigert werden?

Du kannst jederzeit in der Geschichte die obigen Strategien verwenden, um die Sorge des Lesers anzusprechen. Dies ist jedoch nicht genug, da eine Geschichte dynamisch ist. Sie bewegt sich schnell von einer Szene zur nächsten. Daher reicht es nicht, jedes Mal die gleiche Portion Sorge hervorzurufen, du musst die Spannung erhöhen.

Starte an der richtigen Stelle

Wenn man die Geschichte als Ganzes betrachtet, dann benötigt sie einen Beginn mit einem starken Konflikt. Er darf aber nicht zu stark sein, da die Situation dann nicht mehr schlimmer werden könnte. Du benötigst also eine spannende erste Situation – aber du musst auch erlauben, dass alles noch unerfreulicher werden kann. Oder anders ausgedrückt: Stelle sicher, dass die Abfolge von Szenen Sinn ergibt.

Konflikte müssen sich ändern

Während die Geschichte fortgesetzt wird, muss sich die Situation der Charaktere verändern, normalerweise indem man auf den ersten Konflikten aufbaut. Frage dich, wie die Dinge schlimmer werden können. Dies ist oft der Punkt, an dem ich hänge. Ich  finde es dann sinnvoll den Konflikt von außen zu betrachten:

  • Wäre er schlimmer in einer anderen Zeit?
  • Wäre er schlimmer an einem anderen Ort?
  • Wäre er schlimmer mit anderen Charakteren?

Man kann es auch rückwärts angehen: Was wäre das Schlimmste, was dem Charakter passieren könnte? Dies ist die letzte Szene. Verharmlose nun stückweise diesen Konflikt und arbeite dich so zum Beginn der Geschichte vor.

Füge Unsicherheit hinzu

Während du mit der Handlung und den Konflikten arbeitest, suche nach Wegen Unsicherheiten einzubringen:

  • Niemand hat diesen Ansatz vorher probiert.
  • In der Theorie würde es funktionieren.
  • Jemand scheiterte mit diesem Ansatz, wir haben jedoch keine Wahl, außer es nochmal zu probieren und hoffentlich besser zu machen.

Szenenwechsel

Versuche die Szene, in welcher X gerade spannend ist abzubrechen, um eine Szene Y zu präsentieren, welche an spannender Stelle wiederum abgebrochen wird. Komme dabei zurück zu X und breche die darauffolgende Szene wieder ab, natürlich an einer neuen spannenden Stelle. Wiederhole dieses Schema, so lange es Sinn ergibt.

Tempo

Vieles ist eine Frage des Tempos. Wie unterteilst du die Gesamtgeschichte in Szenen und vermischst diese? Zum Beispiel könntest du dem Verlauf zweier schnellen Action-Handlungen und einer komplexeren Charakter-Handlung folgen.

Hier sind einige Spannungs-Techniken, welche aus dieser Idee resultieren:

  • Liefere genug Details, um die Geschichte darzulegen und den Leser neugierig auf weitere Informationen zu machen.
  • Beschwöre Unsicherheit: Gib keine klare Antwort, wenn eine ausweichende Antwort ausreicht.
  • Unterbreche an überraschenden Stellen.
  • Liefere das Erwartete aber auf eine unerwartete Art und Weise.
  • Schmiede Pläne, aber erkläre sie nicht. (Aber nicht schummeln: Wenn dein Hauptcharakter etwas weiß, dann sollte es auch der Leser wissen.)

Verwende Furcht und Vorahnungen

Denke an den Unterschied zwischen Furcht und Vorahnungen.

Furcht: Schlimme Dinge sind passiert und sogar noch schlimmere Dinge könnten passieren.

Vorahnungen: Etwas Schlimmes könnte passieren, wenn nicht…

Furcht baut auf vergangenen Konflikten auf, während Vorahnungen auf den Hoffnungen aufbauen, einen Konflikt vermeiden zu können. Benutze beides, während du Spannung aufbaust.

Nachwort

Ich denke man sieht hier, dass es für Spielleiter hilfreich sein kann darüber nachzudenken,  wie Geschichten funktionieren. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch jeden dieser Hinweise auf Rollenspieltauglichkeit überprüfen. So sind die Abschnitte über Unsicherheiten und dem Ankündigen von Konsequenzen für Spielleiter sicherlich brauchbar, während die Abschnitte über Szenenwechsel und das Starten an der richtigen Stelle im Rollenspiel schwierig umzusetzen sind.

– Michael

Ihr habt einen Spielleitertipp und möchtet ihn hier mitteilen? Kein Problem: Sendet mir eine Kurznachricht bei den Blutschwertern, im Tanelorn oder auf rsp-blogs-forum, oder schickt mir einfach eine Mail (siehe hier).

Über spielleiten

Autor von spielleiten.wordpress.com
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2 Antworten zu Die Handlung durch Spannung stärken

  1. Pingback: Anonymous

  2. Jan schreibt:

    Ja, ich fand manches auch etwas schwer zu verdauen, denn es ist alles ziemlich kompliziert umzusetzen, wenn man den Spielern die Handlungsfreiheit lassen will. Zumindest rutscht man leicht in die Ecke. Aber es regt gute Gedankengänge an, die das Spiel wirklich verbessern können.

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