Liedtexte nutzen

Dies ist eine kleine Idee die mir schon eine Zeit lang im Kopf herumspukt: In unserer neu begonnenen Hellfrost-Runde spiele ich einen Skalden und zu einem solchen gehört natürlich auch, dass er ab und zu mal ein Stückchen Musik zum Besten gibt. Da stellt sich natürlich die Frage „Was singe ich eigentlich?“. Um nicht ständig mit abstrakten Antworten wie „Von einem lokalen Helden“, „ein Liebeslied“ oder „ein Sauflied“ ausweichen zu müssen habe ich mir überlegt Texte mich bei wirklicher Musik zu bedienen. Dabei soll die Sprache weniger ins Deutsche gebracht werden, als in das Hellfrost-Setting.

Technomucke eignet sich für dieses Unternehmen eher schlecht und der normale Pop-Song erzählt auch zu wenig, um ein skaldenhaftes Lied zu erzeugen (für ein simples bekanntes Liedchen, welches  in einer Kneipe alle mitsingen können reichen diese dennoch). Ich brauche also die Skalden unserer heutigen Zeit: Country-/Folk-Sänger und Songwriter (ja, ja, ich weiß es gibt auch andere Musikrichtungen in denen Geschichten erzählt werden – sogar  im Techno – aber die Regelmäßigkeit, mit der im Country/Folk/Songwriting Geschichten erzählt werden, sticht heraus).

Ich plane nicht, mich vor meine Mitspieler zu stellen und ein Liedchen zu trällern, denn meine dichterischen und gesanglichen Fähigkeiten sind niedrig anzusiedeln. Stattdessen soll eine Zusammenfassung der Handlung ausreichen, man kann diese vielleicht noch mit einer Zeile aus dem Refrain garnieren. Schnell hat man aus ein paar übersetzten Texten sich einen kleinen Vorrat angelegt, aus dem man schöpfen kann, wenn mal wieder gefragt wird: „Über was singst du denn?“.

Der Spielleiter kann diese Idee natürlich auch nutzen. Es muss nicht immer ein Kneipengesang sein, welchen man mehr Leben einhaucht. Spielende Kinder, singende Hausfrauen, vor sich hinmurmelnde Stadtwachen oder feierliche Zeremoniengesänge können von ein bisschen Inhalt nur profitieren.

Gerade in Fantasy-Settings kommt noch dazu, dass in den Liedern immer auch ein Stückchen Wahrheit liegen kann. Wenn die Spieler also irgendwann das Grab des berühmten Drachentöters finden, dann werden sie noch begeisterter sein, wenn sie vorher schon in Liedern von ihm gehört haben. Vielleicht befindet sich in einem lokalen Kinderreim ein Hinweis auf das Artefakt, welches die Helden schon lange suchen? Lieder können auch die lokalen Ansichten widerspiegeln: Wenn in der Kneipe alle ein Trinklied anstimmen, in welchem die Krone nicht gut wegkommt, überlegen die Spieler es sich zweimal, sich als Agenten des Königs zu offenbaren und halten vielleicht nach Leuten Ausschau, welche nicht mitsingen. Die Texte von Liedern können also auf vielfältige Weise zur Spielwelt beitragen.

An passende Texte kommt man, im Zeitalter des Internets, sehr leicht. Eine Möglichkeit ist beispielsweise in der Folk & Songwriter-Ecke bei Amazon zufällig Alben anzuklicken und die Stücke Probe zu hören. Findet man die Stimmung eines Songs passend, gibt man den Songtitel plus Lyrics in Google ein und schon hat man den Text.

Um zu demonstrieren, wie man diese Texte abstrahiert und in das Setting einbindet gebe ich einfach ein Beispiel:

Interpret: Marty Robbins

Song: Feleena (from El Paso)

Out in New Mexico, many long years ago
There in a shack on the desert, one night in a storm
Amid streaks of lightnin‘ and loud desert thunder
To a young Mexican couple, a baby was born;
Just as the baby cried, thunder and lightnin‘ died
Moon gave it’s light to the world and the stars did the same
Mother and Father, both proud of the daughter
That heaven had sent them, Feleena was this baby’s name.

When she was seventeen, bothered by crazy dreams
She ran away from the shack and left them to roam
Father and Mother, both asked one another
What made her run away, what made Feleena leave home;
Tired of the desert nights, fartherly grieved to strife
She ran away late one night in the moon’s golden gleam
She didn’t know where she’d go, but she’d get there
And she would find happiness, if she would follow her dream.

After she ran away, she went to Sante Fe
And in the year that she stayed there, she learned about life
In just a little while, she learned that with a smile
She could have pretty clothes, she could be any man’s wife;
Rich men romanced her, they dined and they danced her
She understood men and she treated them all just the same
A form that was fine and rare, dark shining glossy hair
Lovely to look at Feleena was this woman’s name.

Restless in Sante Fe, she had to get away
To any town where the lights had a much brighter glow
One cowboy mentioned the town of El Paso
They never stopped dancin‘ and money like whiskey did flow;
She bought a one-way, a ticket from Sante Fe
Three days and nights on a stage with a rest now and then
She didn’t mind that, she knew she would find that
Her new life would be more exciting than where she had been.

The stage made it’s last stop, up there on the mountain top
To let her see all of the lights at the foot of the hill
Her world was brighter and deep down inside her
An uncontrolled beating, her young heart just wouldn’t be still;
She got a hotel, a room at the Lily Belle
Quickly she changed to a form-fitting black satin dress
Ev’ry man stopped to stare, at this form fine and rare
Even the women remarked of the charm she possessed.

Dancin‘ and laughter, was what she was after
And Rosa’s Cantina had lights, with love in the gleam
That’s what she hunted and that’s what she wanted
Rosa’s was one place, a nice girl would never be seen;
It was the same way, it was back in Sante Fe
Men would make fools of themselves at the thought of romance
Rosa took heed of, the place was in need of
This kind of excitement, so she paid Feleena to dance.

A year passed and maybe more and then through the swingin‘ doors
Came a young cowboy so tall and so handsomely dressed
This one was new in town, hadn’t been seen around
He was so different, he wasn’t like all of the rest;
Feleena danced close to him, then threw a rose to him
Quickly he walked to her table and there he sat down
And in a day or so, wherever folks would go
They’d see this young cowboy, showin‘ Feelena the town.

Six weeks he went with her, each minute spent with her
But he was insanely jealous of glances she’d give
Inside he was a-hurtin‘, from all of her flirtin‘
That was her nature and that was the way that she lived;
She flirted one night, it started a gun-fight
And after the smoke cleared away, on the floor lay a man
Feleena’s young lover, had shot down another
And he had to leave there, so out through the back door he ran.

The next day at five o’clock, she heard a rifle shot
Quickly she ran to the door, that was facin‘ the pass
She saw her cowboy, her wild-ridin‘ cowboy
Low in the saddle, her cowboy was ridin‘ in fast;
She ran to meet him, to kiss and to greet him
He saw her and motioned her back, with a wave of his hand
Bullets were flyin‘, Feleena was cryin‘
As she saw him fall from the saddle and into the sand.

Feleena knelt near him, to hold and to hear him
When she felt the warm blood that flowed from the wound in his side
He raised to kiss her and she heard him whisper
„Never forget me – Faleena it’s over, goodbye.“
Quickly she grabbed for, the six-gun that he wore
And screamin‘ in anger and placin‘ the gun to her breast
Bury us both deep and maybe we’ll find peace
And pullin‘ the trigger, she fell ‚cross the dead cowboy’s chest.

Out in El Paso, whenever the wind blows
If you listen closely at night, you’ll hear in the wind
A woman is cryin‘, it’s not the wind sighin‘
Old timer’s tell you, Feleena is callin‘ for him;
You’ll hear them talkin‘ and you’ll hear them walkin‘
You’ll hear them laugh and you’ll look, but there’s no one around
Don’t be alarmed – there is really no harm there
It’s only the young cowboy, showin‘ Feleena the town.

Als erstes würde ich diesen Text kurz zusammenfassen: Eine exotische Schönheit, namens Feleena, läuft von ihrer isolierten Heimat davon und schlägt sich von einem Ort zum nächsten. Sie ist fasziniert vom Glammer und Wohlstand der Städte und flirtet gerne mit den Männern, sie bleibt jedoch rastlos. Eines Tages trifft sie einen jungen Cowboy und die beiden finden zusammen (er zeigt ihr die Stadt). Der junge Mann ist jedoch sehr eifersüchtig, während Feleena weiterflirtet. Nach sechs Wochen hat der Cowboy aus Eifersucht einen anderen Mann niedergeschossen und muss fliehen. Auf seiner Flucht wird er jedoch tödlich verwundet, er stirbt in den Armen Feleenas, welche sich daraufhin mit dem Revolver des Cowboys selbst erschießt. Noch heute kann man nachts in El Paso im Wind Feleena weinen hören, wie sie nach ihrem Cowboy ruft. Man kann sie sprechen und gehen hören, während man keine Menschenseele, um sich herum sieht. Fürchten braucht man sich dennoch nicht, da keine Gefahr herrscht. Es ist nur der junge Cowboy, welcher Feleena die Stadt zeigt.

Tauscht man ein paar Begriffe aus, dann hat man aus dem Western-Setting schnell ein anderes gemacht. Ich übertrage es mal nach Hellfrost: Die mexikanische Feleena könnte man beispielsweise in eine Saxa oder sogar in eine Frostblüterin übersetzen. Der junge Cowboy wäre demnach ein Anari aus einer größeren Stadt. Die Waffen werden natürlich gegen dem Setting angepasste Waffen ausgetauscht, beispielsweise Dolchen und Schwertern, nach Belieben aber auch etwas außergewöhnlicheres.

Besteht Bedarf kann man die im Original verwendeten Bilder ebenfalls übertragen. So könnte der Sturm, welcher spontan endete als Feleena geboren wurde, erwähnt werden (welcher dann natürlich ein Schneesturm ist), man könnte Rosa’s Cantina als realen Schauplatz erfinden (natürlich im Hellfrost-Setting) oder auf die Szene eingehen, in welcher der Cowboy Feleena bedeutet fernzubleiben, kurz bevor er erschossen wird.

Ich wünsche euch eine fantastische und musikalische Woche!

– Michael

Ihr habt einen Spielleitertipp und möchtet ihn hier mitteilen? Kein Problem: Sendet mir eine Kurznachricht bei den Blutschwertern, im Tanelorn oder auf rsp-blogs-forum, oder schickt mir einfach eine Mail (siehe hier).

Über spielleiten

Autor von spielleiten.wordpress.com
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4 Antworten zu Liedtexte nutzen

  1. Pingback: Anonymous

  2. Du kannst dir auch mal die Musik anschauen, die bei Starcraft verwendet wird.

  3. Joni schreibt:

    Zerg, a shotgun and you? ;)

  4. Roger schreibt:

    Keine schlechte Idee, wird in meinem Umfeld schon länger so gemacht, wo sie dann meist Lieder von entsprechenden Mittelaltergruppen raussuchen (also im Bereich Fantasy). Eine Deejane aus einer SciFi Runde hat sich Drum ’n Bass, Goa und Hardtrance Songs rausgesucht, die in dem Spieluniversum aus ihrer Feder sind und bei nem Gig dann wurden die eingespielt,. Sie hat auch immer wieder in ruhigeren Momenten, wenn die Gruppe geplant hat oder sich ausgetauscht hat, die führenden Melodien gesummt.

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