Über Ideen

Dies ist ein theoretischer Beitrag von mir, in welchem ich meine Meinung über Ideen kundtue. Obwohl dieser Beitrag ziemlich allgemein gehalten ist, sollte er auch für Spielleiter interessant sein, da diese ständig auf der Suche nach Ideen sind.

Ich beschäftige mich einen großen Teil meines täglichen Lebens mit dem Suchen und Entwickeln von Ideen. Wenn ich morgens oder am Wochenende für dieses Blog schreibe, bin ich regelmäßig auf der Suche nach Themen. Mein Mathe-Studium war eine einzige große Suche nach Ideen, um Probleme zu lösen und meine Arbeit in der Informatik besteht wieder darin Ideen zu haben – am besten auch noch gute. In meiner Freizeit spiele ich gerne Rollenspiele (dies sollte nun wenig überraschen) und das meistens in der Spielleiterrolle. Auch hier begebe ich mich also wieder auf die Suche nach Ideen. Bei dieser jahrelangen Ideenjagd habe ich folgendes gelernt: Geistesblitze gibt es nur sehr, sehr selten. Im Sinne von: Jedes Schaltjahr, wenn’s gut läuft. Ich hatte bisher zwei und die waren nur mäßig gut.

Mit Geistesblitz meine ich eine Idee die aus dem Nichts kommt uns plötzlich trifft und wir uns denken: „Boah… das ist mal ‘ne Idee!“. Also eine Lösung für eine Frage, welche wir uns nie gestellt haben oder ein kreativer Gedanke für eine Aufgabe, welche uns nie aufgetragen wurde. Und dies ist der feine Unterschied zu einer Idee: Geistesblitze kommen aus dem Nichts. Die gewöhnliche Idee tut das nicht.

Die Legende besagt, dass Newton seine Idee über Gravitation erhielt, als er einen Apfel vom Baum fallen sah. Kekulé soll seine berühmte Benzol-Formel im Traum gesehen haben. Ob das mit dem Apfel so stimmt lässt sich kaum nachprüfen. Was aber als gesichert gelten kann, ist: Newton hat sich nicht spontan mit Mathematik und Physik auseinandergesetzt, nachdem er einen Apfel hat fallen sehen. Ich würde sogar bezweifeln, dass er zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal über Gravitation nachdachte. Kekulé hat sich jahrelang mit organischer Chemie beschäftigt und auch mit dem Benzol, bevor er seine Traum-Erleuchtung hatte. Ich würde also nicht sagen, dass die beiden einen Geistesblitz hatten.

Ein Geistesblitz an sich ist schon eine seltene Sache; Ein Geistesblitz, welcher auch noch so gut ist, dass er in die Geschichte eingeht ist zweimal hintereinander einen Sechser im Lotto haben.

Die Aussage

Warum reite ich so darauf herum, dass Geistesblitze super-selten und oft nur wenig brauchbar sind? Weil ich das Gefühl habe, dass viele Menschen, eine zu romantische Vorstellung von Ideen haben. Sie denken, dass Ideen von alleine kommen, also Geistesblitze sind, welche einen früher oder später, wenn man nur ein bisschen Geduld hat, niederstrecken. Wie ich gerade erläutert habe, sollte man sich darauf lieber nicht verlassen.

Schlechte Nachrichten also für alle Kreativen unter uns? Nein. Was ich sage ist nur: Wartet nicht auf Geistesblitze, verbringt die Zeit lieber damit Ideen zu entwickeln! Versucht nicht euren Lebensunterhalt mit Lotto spielen zu bestreiten, sondern arbeitet und spielt – wenn es denn sein muss – nebenbei Lotto!

Ohne Auseinandersetzung keine Ideen

Wenn ich Sätze höre wie: „Ja, das wollte ich mal machen, aber ich habe noch keine Idee.“, frage ich gerne nach, was diese Person, den Tag über gemacht hat. Oft kommt dann etwas in dieser Art: „Mein Zimmer war so unordentlich, da hab ich erst einmal aufgeräumt, dann hab ich mir gedacht, ich müsste noch einkaufen gehen. Danach wollt ich mich mal daran setzen, aber die Fenster waren so dreckig und mit dreckigen Fenstern kann ich nicht arbeiten…“. Kein Wunder, dass derjenige keine Idee hatte. Wenn ich Fenster putze, dann bekomme ich höchstens eine Idee wie man besser Fenster putzt.

Wenn man Ideen entwickeln möchte, dann gibt es nur einen verlässlichen Weg: Sich mit der Materie beschäftigen.

Ausprobieren, Grübeln, Hinterfragen

Wenn du eine Idee brauchst um ein Problem zu lösen, dann musst du dieses Problem erst einmal von allen Seiten betrachten. Lese dich also in die Thematik ein und versuche alle Aspekte des Themas zu verstehen. Wenn es gesichertes Wissen gibt, dann frage dich woher dieses kommt, wie es erlangt wurde und was wäre, wenn dieses nicht gelten würde.

Wenn du eine kreative Idee brauchst – es also kein konkretes Problem zu lösen gibt, sondern du etwas erschaffen sollst – dann schaue dir an, welche anderen Menschen ähnliches vor dir machten. Denke über den Hintergrund nach, vor dem deine Idee stehen soll und die Aussage die du mit deinem Werk vermitteln möchtest. Probiere vieles erst einmal skizzenhaft aus. Vielleicht wirst du erst 60 Versuche in die Tonne treten, wenn Nummer 61 aber fruchtet, waren die 60 Blindgänger davor nicht wertlos. Wenn du aber nie anfängst und nicht am Ball bleibst, dann wird dieser gelungene 61te Versuch nie eintreten.

Abstand gewinnen

Wenn man sich in ein Thema arbeitet, sollte man regelmäßig auch wieder den Blick auf das Ganze werfen. Manchmal wälze ich auf der Arbeit den ganzen Tag ein Problem ohne weiterzukommen, oft passiert dann folgendes: Ich mache mich irgendwann auf den Heimweg und noch auf dem Weg zum Auto bekomme ich eine neue Idee wie das Problem gelöst werden könnte. Mir fällt ein neuer Ansatz ein oder bemerke was ich vorher, weil ich zu nah dran war, übersah. Es ist kein Zufall, dass mir viele Ideen gerade dann kommen, wenn ich beschließe das Thema für diesen Tag ruhen zu lassen. In diesem Moment trete ich nämlich einen Schritt zurück und gewinne den Abstand den man braucht, um Dinge zu erkennen, die man nicht sieht, wenn man zu nahe dran ist.

Nur mit Abstand funktioniert es aber auch nicht. Man braucht beides: Das Einarbeiten und den Abstand. Wobei der anstrengende Teil, also das Einarbeiten, den größten Anteil hat.

Gedanken aufschreiben

Man kann wirklich kreative Ideen nur teilweise im Kopf entwickeln. Ideen müssen aus der dunklen Gedankenwelt herausgeholt werden und ins helle Licht der Realität gebracht werden. Überleben sie diesen Prozess, dann erst werden sie brauchbar. Man hört oft: „Ich hab da so eine Idee, aber ich weiß noch nicht so recht…“ Das ist ein deutliches Zeichen, dass da in einem Kopf etwas umherwandert, was noch keinen Kontakt zur Realität hatte. Schreib die Idee auf und du weißt recht schnell, ob die Idee etwas taugt. Wenn du Probleme bekommst die Idee auf Papier zu bringen, dann erkennst du automatisch die Schwächen dieser Proto-Idee. Auf diese Weise kann ein guter Gedanke zu einer ausgereiften Idee werden und – vielleicht viel wichtiger – aller Unsinn, welcher dir im geistigen Weg steht, wird als solcher enttarnt und kann danach fallen gelassen werden.

Eine andere Möglichkeit ist, dass du deine Idee jemand anderem erläuterst. Wir haben in unserer Arbeitsgruppe alle paar Wochen ein Treffen, auf dem einer der Mitarbeiter über sein derzeitiges Problem berichtet. Oft können die anderen Mitarbeiter ihm nur wenig helfen, aber, dadurch, dass der Vortragende sein Problem und seine bisherigen Ideen sauber formulieren muss, versteht er wie von Zauberhand viel mehr.

Am Ball bleiben

Ideen brauchen Zeit. Sie müssen reifen. Wenn es eine harte Nuss zu knacken gibt oder du auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Idee bist, dann wird dies im Normalfall lange dauern. Daher fange früh an und bleibe am Ball. Beschäftige dich auch in deinem Alltag mit deinem Problem: In der U-Bahn, beim Einschlafen und Aufwachen, beim Einkaufen, beim Spazierengehen, immer dann, wenn du geistige Kapazitäten übrig hast. Kekulé hatte sich sogar noch in seinen Träumen mit seinem Problem beschäftigt, ein deutliches Zeichen dafür, dass der Mann den ganzen Tag an kaum etwas anderes dachte. Hätte sich Newton nur ab und zu mit Physik beschäftigt, hätte ein ganzer Wald umfallen können und der Funke wäre trotzdem nicht übergesprungen.

Es muss nicht perfekt sein

Wenn du eine kreative Idee benötigst, vor allem, wenn du vor einer Deadline stehst – eine Situation in die praktisch jeder Spielleiter einmal kommt – denke daran: Es muss nicht perfekt sein! Wenn es um kreative Ideen geht, fällt es sowieso schwer zu sagen: Diese Idee ist perfekt.

Ist da Vincis Mona Lisa besonders kreativ? Nun die Grundidee – ein Portrait – ist nicht besonders revolutionär, erst die perfekte Ausführung dieser Idee von da Vinci macht dieses Bild zu einem der bekanntesten Werke der Welt. Scheue dich nicht davor kleine Ideen zu nutzen. Bei der Umsetzung fallen dir mehr und mehr Dinge ein, die dieser kleinen Idee eine unvorhergesehene Wendung geben können; unvorhergesehen auch für dich. Mein Doktorvater erzählt mir immer, dass ich ruhig mit einem kleinen Problem anfangen kann, es wird am Ende doch von alleine sehr viel größer werden. Und er liegt immer richtig. Was mit Problemen funktioniert, funktioniert auch mit Ideen, wie da Vinci mit seiner plumpen Idee – ich male ein Portrait – eindrucksvoll bewiesen hat.

Ideen sind harte Arbeit

Wenn man die obigen Abschnitte so durchliest, kommt man vielleicht auf den Gedanken: Das hört sich alles recht anstrengend an. Das ist richtig. Ideen entwickeln und umsetzen ist harte Arbeit. Man gerät vielleicht weniger ins Schwitzen als auf der Baustelle, aber es ist ebenso anstrengend.

Man sagt mir gerne, dass ich ja nicht wüsste was richtige Arbeit sei, wie anstrengend diese sei und dass ich mich nicht so anstellen solle, schließlich sei das Schwerste, was ich an diesem Tag bewegt habe, mein Bürostuhl gewesen. Meine Erfahrung ist: Gedanken sind verdammt schwer zu bewegen. Ideen entwickeln, verwerfen und wieder neu entwickeln ist anstrengend und nicht immer spaßig. Seinen Kopf zu bemühen, bringt einen zwar nicht ins Schwitzen, aber intensiv ausgeführt steht es, wenn es um Ermüdung geht, körperlicher Aktivität in nichts nach. Daher bin ich mal so frech und sage: Wer mir vorwirft, ich hätte an diesem Tag doch nur nachgedacht und ich hätte noch nie richtig Arbeiten müssen, der hat selbst noch nie richtig nachdenken müssen.

Warum fällt uns ausgerechnet immer das Anfangen so schwer, wenn wir eine Idee entwickeln wollen? Wir scheuen die Arbeit. Das ist der Grund. Diese Arbeit kann euch keiner Abnehmen, aber hier ist der gute Teil: Es lohnt sich. Umso schwerer die Arbeit war, umso größer ist das Vergnügen, wenn man es schließlich geschafft hat und auf seine neue glänzende Idee schauen kann.

Also kräftig in die Hände gespuckt, Bleistift gespitzt, Schmierpapier rausgenommen und anfangen!

Habt eine ideenreiche und fantastische Woche!

– Michael

Ihr habt einen Spielleitertipp und möchtet ihn hier mitteilen? Kein Problem: Sendet mir eine Kurznachricht bei den Blutschwertern, im Tanelorn oder auf rsp-blogs-forum, oder schickt mir einfach eine Mail (siehe hier).

Über spielleiten

Autor von spielleiten.wordpress.com
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13 Antworten zu Über Ideen

  1. Pingback: Anonymous

  2. Deutschlehrer schreibt:

    Schöner Beitrag, ich glaube, ich kann in den meisten Punkten zustimmen. Umso ärgerlicher, dass die gute Idee, die hinter diesem Beitrag stand, durch die Ausführung einen winzig kleinen Makel erhalten hat: Es heißt nicht WIE, sondern „Man gerät vielleicht weniger ins Schwitzen ALS auf der Baustelle…“ Ich entschuldige mich für das Korinthenk*cken, aber mit hatten sich beim Lesen spontan die Fußnägel aufgerollt. Dieser Kommentar darf nach der Kenntnisnahme ruhig gelöscht werden.

  3. spielleiten schreibt:

    :D Wenn das die größte Kritik ist, nehme ich sie gerne an.
    Ich habe es geändert, wobei ich kurz mit dem Gedanken spielte es durch „als wie“ zu ersetzen. Und der Kommentar wird nicht gelöscht, wäre ja noch schöner…

  4. Yo, sehr schöner Beitrag.
    Und das „weniger wie“ hätte ich als Bayer sehr sympathisch gefunden. :)

  5. TheClone schreibt:

    Schöner Artikel, schönes Plädoyer für die Idee :) Und ich kann das aus eigener Erfahrung genau so unterschreiben.

  6. spielleiten schreibt:

    Danke schön TheClone und Andreas.

  7. gnurf schreibt:

    hm, guter artikel, aber ich für mich funktioniert das so nicht. ich brauche meine geistesblitze. meine wirklich guten ideen waren alles geistesblitze. ich versuche eher, situationen zu schaffen, in denen sich welche einstellen. funktioniert oft genug nicht, aber wesentlich öfter als einmal pro schaltjahr ;)

    „Man hört oft: „Ich hab da so eine Idee, aber ich weiß noch nicht so recht…“ Das ist ein deutliches Zeichen, dass da in einem Kopf etwas umherwandert, was noch keinen Kontakt zur Realität hatte.“

    nein, das stimmt für mich auch nicht. wenn ich eine idee zu früh aufschreibe, lege ich sie damit ab und vergebe ihr potential. ich muss sie erst ein paar tage im kopf hin- und herdrehen, dann kommen oft genug weitere ideen dazu.

  8. spielleiten schreibt:

    @gnurf: Wenn du deine Ideen tagelang im Kopf hin- und herdrehst, dann sind es keine Geistesblitze mehr, oder?

    Mich würde interessieren wie diese Situationen aussehen in denen du deine Geistesblitze hast und wie du diese erzeugst, denn ich kann Geistesblitze immer brauchen! :)

  9. Teilzeitheldin schreibt:

    Ja, die Suche nach Ideen…ist ja immer so ne Sache. Häufig kommen die Ideen, wenn man sie nicht erwartet (um 4 Uhr morgens, wenn man zufällig aufwacht, morgens unter der Dusche…) – zumindest geht es mir so. Wenn ich aktiv auf die Suche nach Ideen gehe, kommt oft nichts gescheites bei raus. Wenn ich mich dann zurücklehne und an was anderes denke, fällt mir plötzlich was ein (was für die „Auf-Abstand-gehen-Theorie“ spricht) :)

  10. Lex Mosgrove schreibt:

    re: gnurf – Ich glaub‘ der Geistesblitz hier ist wenn alle Einzelteile der Idee an die richtige Stelle fallen und das Ganze plötzlich Sinn macht.

    Was für mich noch funktioniert sind u.a.:
    „Was wäre, wenn?“ – Funktioniert besonders gut wenn’s um scheinbar komplett hirnrissige Sachen geht. (Sollte man vielleicht nicht in der Öffentlichkeit veruchen, kann zu spontanen Lachanfällen führen. ;) )
    Ein anderer persönlicher Favorit sind Wissenschaftsmagazine und -webseiten. Neue Entdeckungen und Forschungsergebnisse sind immer gutes Futter für Ideen, auch solche die wenig mit dem ursprünglichen Thema zu tun haben.

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