Aus den Augen aus dem Sinn?

Spielercharaktere sterben. Das passiert in den besten Spielgruppen und es ist auch nicht unbedingt etwas Schlechtes wenn ein SC das Zeitliche segnet. Als Überlebende trauert man angemessen seinem Kameraden hinterher, teilt die nun herrenlosen Besitztümer auf, spielt ein paar Szenen aus, in denen geschockten NSCen die traurige Nachricht überbracht wird und lernt völlig unverhofft einen neuen Charakter kennen, welcher – oh Wunder – genau in die gerade entstandene Lücke passt. Dann kann es auch schon wieder weitergehen. Eine Woche später fragt man sich bereits, wer dieser Jemand eigentlich war, mit dem man die letzten paar Monate wilde Abenteuer erlebt hat.

Oder gibt es nicht vielleicht doch ein paar Möglichkeiten verstorbene Spielercharaktere eine Zeit lang im Gedächtnis der Spieler und ihrer SCe zu halten? Wäre es nicht viel interessanter, wenn die Spieler immer wieder an ihren verstorbenen Begleiter erinnert würden, auf welche Weise auch immer?

Ich möchte in diesem kurzen Beitrag ein paar wenige Ideen dazu äußern, wie man an dem Tod eines SCs noch möglichst lange rollenspielerischen Spaß haben kann. Ich rufe alle Leser aber auch dazu auf in den Kommentaren weitere Vorschläge zu liefern, wie dem Ableben eines SCs mehr Sinn entnommen wird.

Hier also meine paar Vorschläge:

  • Der letzte Wunsch: Die Überlebenden finden einen mehr oder weniger obskuren, auf jeden Fall jedoch nicht einfach erfüllbaren, letzten Wunsch in den Hinterlassenschaften des SCs. Haben die Begleiter wirklich eine Wahl? Wie lässt sich der letzte Wunsch mit den aktuellen Aufgaben vereinbaren?
  • Jetzt habt ihr das Problem: Der Verstorbene hatte ein paar Probleme, von denen er nie erzählte, welche jedoch im Begriff waren ihn demnächst einzuholen. Jetzt holen sie ihn auch ein – oder besser gesagt seine Begleiter. Dies könnte ein Gläubiger sein oder eine Bande von Schurken, von denen der Verstorbene etwas nahm, was jetzt die anderen SCe besitzen.
  • Die Schnitzeljagd: Der Verstorbene hatte etwas wichtiges, sei es ein Gegenstand oder eine Information. Hätte man doch nur eine Woche früher gewusst, dass man dies benötigt, als der SC noch lebte. Jetzt ist er jedoch tot und den restlichen SCen bleibt nichts anderes übrig als sich in der Vergangenheit des SCs von Hinweis zu Hinweis zu hangeln. Sie arbeiten sich immer tiefer in sein Leben hinein, um nach umfassender Recherche endlich das Gesuchte zu finden. Dabei könnten sie auch einiges unangenehmes über ihren langjährigen Gefährten erfahren.
  • Wir wussten nicht wer er war! Der Verstorbene Charakter hat seine wahre Identität vor den anderen verborgen und jetzt wird ihnen erst bewusst, mit wem sie da unterwegs waren. Eventuell sind einige Herrschaften sogar sehr erzürnt darüber, dass diese wichtige Person in einem dreckigen Verlies umgekommen ist und lassen ihre Enttäuschung nun an den SCen aus. Vielleicht ist aber auch genau das Gegenteil der Fall und den Überlebenden SCen wird heftig auf die Schulter geklopft und gratuliert, dass sie es geschafft haben diesen Bösewicht und Schurken von der Erde zu tilgen. Plötzlich befinden sich die SCe an der Seite einer Fraktion, zu der sie sich eigentlich nicht zählen.
  • Ist das da drüben nicht unser Freund? Der Verstorbene ist nicht tot! Zumindest erscheint dies so, denn da drüben auf der anderen Seite des Marktes spazierte er gerade in eine dunkle Gasse. War es wirklich der ehemalige Mitreisende? Hat ihn jemand wiederbelebt? War er gar nicht so tot wie er aussah? Hat jemand anderes seine Identität angenommen? Warum? Um dieses Rätsel zu lösen, müssen die Charaktere nicht nur der Versuchung widerstehen ihrem gefallenen Kameraden in die Arme zu fallen, sondern eventuell auch in dessen Geschichte herumwühlen.

Was habt ihr getan, um dem Tod eines Spielercharakters mehr Sinn abzutrotzen?

Habt eine fantastische Woche!

– Michael

Über spielleiten

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3 Antworten zu Aus den Augen aus dem Sinn?

  1. edalon schreibt:

    Nein, in unseren Spielgruppen haben verstorbene Spielercharaktere keine nachhaltigen Erinnerungen hinterlassen.
    Die beschriebenen Ideen sind wirklich gute Ansätze, die manchem Spielleiter (und der Spielgruppe) das Ableben eines Charakters versüßen kann. ;-)

  2. Teilzeitheldin schreibt:

    Glücklicherweise ist noch nie einer meiner Charaktere im Rollenspiel gestorben (zumindest nicht endgültig) und sowieso gab es glaube ich nur einen Fall, an den ich mich dunkel erinnern kann. Der Charaktertod hat in meinen Runden nie eine nachhaltige Rolle gespielt, aber ich könnte mir das durchaus interessant vorstellen :)

  3. TheClone schreibt:

    also wir haben obige Ideen noch nicht genutzt. Sie klingen auf jeden Fall interessant, man sollte aber die Gruppe vorher dazu befragen, denke ich. Sonst besteht die Gefahr, dass man ihnen gehörig auf die Nerven geht.
    Wenn ein Charakter im Gedächtnis bleiben soll, dann geschieht das am Besten vor seinem Tod. spiel ihn erinnerungswürdig! Das ist die beste Variante, finde ich. Wenn der Kämpfer eben den ganzen Tag das Visir unten hat, dann ist das so. Mein Tem ist im Gedächtnis geblieben, weil er ein Halbriese war und auch so aufgetreten ist. Groß, massiv und immer vorne im Kampf. Ein guter Kampf? Ich bin dabei! Verteidigung? Scheißegal. Zweihandwaffe, rumbrüllen und um sich schlagen. Das mag sich zwar recht regellastig anhören, aber die Fertigkeiten alleine machen es nicht. Man muss sie zeigen. Genauso wie der kenderartigen Halbling, der alle nervt. Vermutlich sind alle froh, wenn er tot ist, aber sie werden sich an ihn erinnern.

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