Spielleiter-Burnout mit lustigen One-Shots vermeiden

Diesmal ein etwas kürzerer Tipp, welchen ich vor einiger Zeit für roleplayingtips.com schrieb.

Ich bin ein Spielleiter der gerne Kampagnen mit großen und epischen Ausmaßen spielt. Es herrscht dabei Konsens, dass wir die Geschichte und das Setting relativ ernst nehmen. Bei langen, epischen Handlungsbögen stellt sich bei mir dabei oft der gefürchtete Spielleiter-Burnout ein. Ich denke die meisten von uns waren schon einmal an diesem Punkt, wenn man als Spielleiter ein bisschen die Motivation verliert und das wiederum die Kreativität senkt. Ich habe jedoch eine unverhoffte Waffe gegen Burnout gefunden.

Ich ging mit einem Freund in ein Studentenkino und dort haben wir uns beide The Gamers Filme angeschaut. Wie immer war es sehr lustig und nach dem Film lag die Idee auf der Hand: Ich wollte wenigstens einmal eine Sitzung leiten, welche so herrlich schräg und chaotisch ist wie in diesen Filmen. Kein: „OK Leute, bitte nicht Abschweifen.“, auch kein: „Bleibt in-character.“. Es sollte einfach nur zügellosen Spaß bereiten, also habe ich etwas für mich eher ungewöhnliches getan: Ich habe mich dazu entschieden einen One-Shot zu leiten. Mit Wegwerfcharakteren, geschlossener Geschichte und mit Menschen, welche in dieser Konstellation wahrscheinlich nie wieder zusammentreffen.

Bei den Vorbereitungen setzte ich mir nur ein einfaches Ziel: Ich und meine Spieler sollten an dem Abend so viel lachen wie möglich. Ich entschied mich also für ein Setting, welches ein wilder Mix aus Terry Pratchet, Munchkin, Shrek und allem anderem lustigem war. Ich hatte selten so wenig Probleme und so viel Spaß beim Schreiben eines Abenteuers. In zwei Tagen hatte ich ein 17-seitiges Abenteuer vor mir liegen, mit ausgearbeiteten NSCen, interessanten Örtlichkeiten und Gegenständen, einen guten Aufhänger für das Abenteuer und einem überraschendem Ende. Eben mit allem, was so ein Abenteuer braucht.

Da dies ein One-Shot war, gab es keinen Grund warum ich dieses Abenteuer mit den Menschen spielen sollte, mit denen ich sowieso regelmäßig spiele. Ein One-Shot ist die perfekte Gelegenheit auch einmal Leute an den Tisch zu bringen, mit denen man normalerweise nicht spielt (weil sie z.B. zu weit weg wohnen). Ich habe also einfach allen aktuellen und alten Spielern einen Termin genannt an dem wir den One-Shot spielen. Es gab keine Beschränkung in der Spieleranzahl und ich habe den Spielern damals gesagt sie sollen mich mit ihren Charakteren überraschen. Die einzige Regel: Der Charakter soll witzig sein. Ich wollte also so wenig wie möglich über diese Charaktere wissen. Ein Abschnitt den ich vor meinem Abenteuer verfasst hatte, erklärte genau, was ich mit meinen Spielern an dem Abend vorhatte, damit wussten die Spieler genau auf was sie sich einließen.

Als es schließlich soweit war, habe ich während der Sitzung nur einen Gedanken verfolgt: „Ist das, was gerade passiert, lustig?“. Kleinere Fehler, Unterbrechungen des Spiels um ein paar Anekdoten zu erzählen, all die Dinge, welche ein normales Spiel behindern oder vom Kurs abbringen können, waren an diesem Abend kein Problem. Sie haben sogar zum eigentlichen Sinn des Abends beigetragen.

Der One-Shot dauerte am Ende über 8 Stunden, bis nach 4 Uhr nachts, aber weder bei mir noch bei meinen Spielern machte sich Müdigkeit breit. Alle haben regelrecht gebrannt auf dieses Spiel. Nach diesem One-Shot sprühte es bei mir nur so vor Ideen für die eigentlich aktuell laufenden Kampagnen, ein interessanter Nebeneffekt! Ich hatte beim Vorbereiten und Spielen dieses One-Shots ein paar wichtige Lektionen gelernt, welche meinen Stil zu spielleiten dauerhaft beeinflussten:

  • Man braucht nicht immer eine große langfristige Geschichte. Kleine Ideen haben auch ihre Vorteile (besonders für unerfahrene Charaktere).
  • Das wichtigste in einem Abenteuer ist die Stimmung, welche man erzeugen möchte. Viele Dinge klären sich wie von selbst, wenn man einfach überprüft: Trägt dies zur gewünschten Stimmung bei?
  • Wesentlich wichtiger als die Charaktererschaffung zu überwachen, ist es den Spielern das Setting und die gewünschte Stimmung glasklar zu machen. Gelingt dies, dann werden die Spieler ganz von alleine Charaktere erschaffen, welche in das Setting passen.
  • Während der Sitzung gibt es auch wieder nur eine Frage zu beantworten: Trägt was gerade geschieht, zur gewünschten Stimmung bei? Falls das der Fall ist, kann man sich als Spielleiter zurücklehnen und die Stimmung genießen. Es gibt keinen Grund aktiv einzugreifen, außer es geschieht etwas, was von der gerade gewünschten Atmosphäre wegführt.

Also falls euch mal die Kreativität fehlt, dann leitet einfach mal einen One-Shot, welcher möglichst kontrastreich zu eurem normalen Spiel ist. Mir hat dies sehr geholfen und ich wende dieses Mittel immer wieder einmal an, wenn sich bei mir das Gefühl einschleicht das Rollenspielvorbereitungen Arbeit wären.

Was unternehmt ihr, um die Kreativität auf einen hohen Level zu halten?

Habt eine fantastische Woche!

– Michael

Über spielleiten

Autor von spielleiten.wordpress.com
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Eine Antwort zu Spielleiter-Burnout mit lustigen One-Shots vermeiden

  1. aghork schreibt:

    So etwas haben wir in unserer Runde auch schon mal gemacht.
    Wir waren mit einem Shadowrun deutlich früher fertig geworden als geplant und so hatten wir noch den halben Abend Zeit. So entstand „Super Stupid“.
    Das Setting hat sich der SL spontan einfallen lassen, es mit wenigen worten umschrieben und die Spieler haben sich spontan für Charaktere entschieden.
    Es gab keine Skills oder Attribute, es wurde alle zufällig entschieden über einen Würfelwurf des Spielleiters.
    Super Stupid ist alles super im Gedächtnis geblieben und alle wollen es wieder spielen, wobei das wohl erst wieder kommen wird, wenn es alle schon fast vergessen und der SL zu viele Animes geguckt hat^^
    Es ist wirklich schön wie sehr sich die Spieler noch an kleinste Details der Charaktere erinnern die sie innerhalb von 5 Minuten erschaffen haben (einer kam auch später als unwichtiger NPC in einem Shadowrun-Abenteuer), und wie sehr die Begeisterung für in-charakter bleiben wieder stieg.

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