Loopy Session Planning

Autor: Johnn Four.

Übersetzung: Michael Beck

Infinity by UKTara

Vorbereitungszeit ist immer knapp, nutze sie effektiv!

Meine Art Sitzungen vorzubereiten ist einfach. Mit der folgenden Methode bereite ich gezielt die Dinge vor, welche in der nächsten Sitzung von Bedeutung sind. Damit vermeide ich die Gefahr mich

in einem Thema zu stark zu vertiefen und andere Themen dabei unvorbereitet zu lassen. Falls mir die Vorbereitungszeit ausgeht, gibt mir mein System einen Vorsprung an mehreren Fronten, sodass ich immer auf meine Notizen und Vorbereitungen vertrauen kann.

Da dies tatsächlich die Methode ist, wie ich Spiele vorbereite, möchte ich diese vorstellen. Ihr könnt Loopy Session Planning selbst ausprobieren, oder Teile davon mit euren eigenen Arbeitsweisen vermischen.

Ordnet eure Notizen

Es ist entscheidend einen Ort zu haben an dem ihr eure Informationen sammelt. Chaos in euren Notizen darf nicht Teil des Problems sein. Ihr braucht eine (für euch) einfache Gliederung. Wenn ihr kreativ werdet, muss es einen Platz für die neuen Ideen geben und alles Alte schnell auffindbar sein.

Eurer Ordnungssystem kann Software (z.B. ein Wiki), ein Spielleiterordner, Karteikarten, Klebezettel, ein Notizbuch oder irgendeine Kombination von all dem sein. Bevor ihr eine Kampagne startet, überlegt euch zuerst wie ihr eure Notizen organisiert.

Falls ihr bereits mitten in einer Kampagne seid und immer wieder Probleme dabei habt eure Informationen zu verwalten, dann haltet jetzt inne und bringt das in Ordnung. Ansonsten werdet ihr immer wieder durch euer Chaos bei euren Vorbereitungen behindert.

Erstelle eine Sitzungsvorlage

Ihr wollt zwischen den Sitzungen nicht jedes Mal euren Spielleiterordner neu sortieren müssen. Genauso wollt ihr auch nicht jedes Mal neu erfinden wie ihr eure Sitzungen vorbereitet. Deswegen: Erstellt euch eine Sitzungsvorlage, um die Vorbereitungen zu erleichtern. Damit habt ihr mehr Zeit zur Verfügung, um an eurem Material zu arbeiten, anstatt dieses zu organisieren.

Ich benutze Software für meine Spielleiternotizen. Daher benutze ich eine leere Vorlage und benutze diese für jede Sitzung neu. Falls ihr keine Software benutzt, könnt ihr eure Vorlage auch ausdrucken oder kopieren und dann per Hand ausfüllen.

Meine Vorlage sieht folgendermaßen aus:

  • Sitzungsnummer: Ich verfolge gerne, in der wievielten Sitzung wir uns gerade befinden. Dies macht hat es einfacher Sitzungen zu referenzieren. Außerdem gibt es in meiner Gruppe eine Wette, in welcher Sitzung es die gesamte Gruppe auf einmal erwischt.
  • Reales Datum: Das ist meine Frist. Bis zu diesem  Zeitpunkt muss ich meine Vorbereitungen abgeschlossen haben.
  • Wer kommt: Dies dient mir als Überblick, wem ich evtl. noch Bescheid geben muss. Sollte jemand absagen, wird sein Name von dieser Liste gestrichen.
  • In-Game Datum: Was ist das Datum in der Welt der Charaktere zu Beginn der Sitzung? Diese Information hilft mir zeitliche Ereignisse in sinnvollen Abständen zu gestalten.
  • Log: Hier ist Platz für meine Notizen während der Sitzung.
  • Themen: Das ist der Kern meiner Vorbereitungen. Alle Handlungsstränge, egal wie wichtig oder groß, werden hier aufgelistet, dazu gleich mehr.
  • Neuigkeiten: Hier gibt es einen Abschnitt für Nachrichten an die Spieler (Änderungen in der Kampagne oder zum nächsten Sitzungstermin und ähnliches) und einen Abschnitt für Neuigkeiten in der Welt der Charaktere (Gerüchte, Hinweise, Nachrichten usw.).

Ohne Kommentare sieht meine Vorlage also ungefähr so aus:

  • Sitzung:
  • Reales Datum:
  • Wer kommt:
  • In-Game Datum:
  • Log:
  • Themen:
  • Neuigkeiten:
    • Out-of-game:
    • In-game:

Liste alle Themen auf

Nachdem die Vorlage bereit für die nächste Sitzung ist, liste ich alle aktuellen Handlungsstränge der laufenden Kampagne auf, sowohl alte wie auch neue. Mit Handlungsstrang ist alles gemeint, was eine Begegnung in der nächsten Sitzung erzeugen könnte: Einweg-Monster, kleine und größere Teile des Abenteuers, Nebengeschichten usw.

Hier ist ein Beispiel: Die Einträge werden euch zwar nichts sagen, da sie von einer meiner Sitzungen stammen, dennoch demonstriert dieses Beispiel, wie ich die Handlungen notiere:

  • Black Daggers
  • Lagerhalle – goblins
  • Bettelkinder – Tam
  • Sahuagin
  • Lagerhalle – Falltür
  • Green Daggers kommen um Bezahlung abzuholen
  • Butan
  • Grubenkampf #2 für Crixus
  • Saul’s Mord
  • Raston will Crixus‘ Agent sein
  • Reaktionen auf all die Informationen-erhalten-Würfe
  • Orden der Iron Oak
  • Der Bettelmeister – SCe wollen Rache?
  • Kommandeur Toeral’s Gefallen

Da ich Software benutze, kann ich einfach die Themenliste vom letzten Mal kopieren und in die aktuelle Vorlage einfügen. Danach streiche ich einfach alle Handlungsstränge die ein Ende fanden und füge eventuell neue hinzu.

Prioritäten setzen

Zeit zum Vorbereiten ist immer knapp, daher arbeite ich zuerst an den Handlungssträngen, welche am wahrscheinlichsten von den Spielern weitergeführt werden. Dafür teile ich die Liste in zwei Gruppen auf:

  • Gruppe 1: Wird sicherlich passieren. (so sicher wie man sich eben in einem Rollenspielsein kann)
  • Gruppe 2: Könnte passieren, ist aber unwahrscheinlich oder zumindest nicht sicher, dass die Spieler diesen Handlungsstrang weiter verfolgen.

In jeder Gruppe wandern dann die unwahrscheinlichsten Einträge an das Ende der jeweiligen Liste. Es gibt nach wie vor keine Garantie, dass das was ich vorbereite benötigt wird, oder nur Dinge benötigt werden, die ich vorbereitet habe. Dennoch funktioniert diese Prioritätenliste gut genug für mich. Es ist selten, dass ich noch eine komplette Sitzung improvisieren muss, weil meine Spieler mich mit etwas völlig neuem überraschen.

Stück für Stück vorbereiten

Ich gehe jetzt die Listen von oben nach unten durch und frage mich: Was wird als nächstes passieren? Oft gibt es einen logischen nächsten Schritt: Die Charaktere werden etwas unternehmen, einen Ort besuchen, mit einem NSC sprechen, einen Feind angreifen, ihre Fertigkeiten, Zauber oder ähnliches benutzen.

Manchmal bekommt ein Handlungsstrang eine hohe Priorität, da ein NSC oder eine Gruppe agiert anstatt zu reagieren. Hier ist es einfach: Was werden diese als nächstes tun?

Ich schreibe mindestens ein Wort hinter jeden Eintrag:

  • Lagerhaus -Falltür: SCe betreten 5 room dungeon
  • Lagerhaus – goblins: SCe betreten 5 room dungeon
  • Green Daggers kommen um Bezahlung abzuholen: SCe verhandeln oder werden gewalttätig
  • Butan: Treffen – er drängt auf eine Antwort
  • Grubenkampf #2 für Crixus: Halcos bestätigt Kampf
  • Saul’s Mord: SCe öffnen verschlossene Truhe
  • Raston will Crixus’s agent werden: Er hat etwas gesehen
  • Crixus wieder trainieren, Treffen mit Crixus
  • Black Daggers: Kommen vorbei um zu drohen oder um sich mit den SCen zu verbünden.
  • Reaktionen auf all die Informationen-erhalten-Würfe: Hinterhalt falls einer oder zwei SCe alleine ist.
  • Sahuagin: Weiterer Angriff
  • Orden der Iron Oak: Kehren siegreich zurück, PC werden wissen wollen wo diese waren
  • Der Bettelmeister: SCe wollen Rache? SCe könnten spionieren oder die Konfrontation suchen
  • Bettelkinder – Tam: unerledigt
  • Kommandeur Toerals Gefallen: unerledigt

Unerledigt ist für mich ein Zeichen auf diesen Handlungsstrang zu achten, um diesen, falls sich eine Gelegenheit ergibt, fortzuführen. Für jeden nächsten Schritt in der ersten Gruppe von Handlungssträngen bereite ich mich entsprechend vor: Ich entwerfe eine Begegnung, zeichne eine Karte, erschaffe NSCe, denke mir Belohnungen aus, notiere Monster oder NSCe, fülle ein Dungeon, usw.

Falls ich dann noch Zeit habe, gehe ich ein weiteres Mal die Liste in Gruppe 1 durch, um den übernächsten Schritt zu bestimmen (falls es einen gibt). Manche Handlungsstränge finden ihr Ende, wenn der Kampf beendet, das Dungeon erforscht, oder der Auftrag erfüllt ist. Für alle anderen bereite ich den übernächsten Schritt vor.

In der Schleife bleiben

Solange ich Zeit habe, gehe ich immer wieder durch Gruppe 1 und bereite die nächsten Schritte vor. Nach drei oder vier Schritten werden die Handlungsstränge in Gruppe 1 oft so unsicher, dass es sich nicht länger lohnt hier Dinge im Detail vorzubereiten. Erst wenn dieser Punkt erreicht ist, kümmere ich mich um Handlungsstränge in Gruppe 2. Meistens schaffe ich zwischen den Sitzungen nur wenige Durchgänge, sodass ich nicht allzu weit in die Zukunft planen muss.

Falls ich doch einmal genügend Zeit haben sollte (z.B. weil eine Sitzung ausfällt) und ich alle Handlungsstränge bis zu ihrer Unsicherheit vorbereitet habe, wechsele ich die Vorbereitungsmethode. Ich kümmere mich dann darum die Welt der Charaktere zu gestalten, mir neue Bösewichte und Parteien oder spezielle Belohnungen auszudenken.

Das ist das ganze Geheimnis. Ein Schritt nach dem anderem. Falls ich zwischen zwei Sitzungen mal in Stress gerate und nur wenig vorbereiten kann, nutze ich mit diesem System die wenige Zeit optimal aus und kann mich auf schon vorbereitete Schritte vom letzten Mal verlassen.

Der Autor:

Johnn Four ist Erschaffer der Homepage (und gleichnamigen Newsletters): roleplayingtips.com, wo er bereits über 500 Newslettern zusammengestellt hat. Außerdem schreibt er auf campaignmastery.com und gamer-lifestyle.com und hat mehrere Bücher für Spielleiter verfasst. Die Übersetzung und Veröffentlichung dieses Artikels auf spielleiten habe ich vorher mit ihm abgesprochen.

Ich persönlich habe loopy session planning vor fast einem Jahr ausprobiert und bereite inzwischen alle meine Rollenspielgruppen auf diese Art vor. Benutzt ihr ähnliche Methoden, um eure Sitzungen vorzubereiten, oder habt ihr sogar schon Erfahrungen mit loopy session planning gemacht?

Habt eine fantastische Woche!

–        Michael

Über spielleiten

Autor von spielleiten.wordpress.com
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6 Antworten zu Loopy Session Planning

  1. Pingback: Kohle in Diamanten verwandeln | spielleiten

  2. edalon schreibt:

    Sehr interessante Methode zur Rollenspielvorbereitung. Ich werde die Aspekte auf jeden Fall in meine eigene Vorbereitung einbeziehen. Bisher nutze ich eine Methode, die ich als schauplatzbezogene Vorbereitung bezeichne. Ich plane dort keine Handlungsstränge sondern beschreibe nur einzelne Schauplätze mit zugehörigen Ereignissen und NSC. Damit bin ich recht flexibel gegenüber Planungsänderungen der Spielercharaktere.
    Was für eine Software nutzt Du denn für Vorbereitung und die Organisation der Notizen? Eine einfache Textverarbeitung oder eine Datenbankanwendung oder sonstige Tools?

  3. spielleiten schreibt:

    Ich persönlich habe das Glück einen Laptop vom Arbeitsplatz benutzen zu können auf dem Microsofts One-Note installiert ist. Das nutze ich in meiner D&D Kampagne recht intensiv und bin bisher sehr zufrieden damit. In meiner Call of Cthulhu Runde benutze ich einfach einen gewöhnlichen Ordner, da ein Laptop zu störend wäre. In meiner Savage Worlds Runde (die sehr unregelmäßig spielt) habe ich einfach nur ein großes Chaos (das sollte ich wirklich mal beseitigen), das ist aber nicht so schlimm, da die Abenteuer dort sehr episodenhaft sind.

    Welche Tools benutzt du?

  4. Pingback: Rollenspielvorbereitung: Ist Ordnung schon die halbe Miete? « Rollenspiel-Blog

  5. edalon schreibt:

    Ich versuche auch möglichst konsequent Software für die Vorbereitung einzusetzen. Meistens nutze ich eine einfache Textverarbeitung. Häufig scheitert dieses Vorhaben jedoch daran, dass nicht immer ein PC zur Stelle ist, wenn ich gute Einfälle habe. Daher gehen viele Ideen verloren, fürchte ich. Auch Karteikarten und Ordner habe ich bereits eingesetzt, wobei diese Medien schnell an die Grenze der Übersichtlichkeit kamen.
    Da mich auch die von anderen Spielleitern eingesetzten Medien und Tools interessieren, habe ich eine entsprechende Umfrage erstellt.

  6. Pingback: Dir fehlt die Zeit zur Vorbereitung? | spielleiten

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